Pilotprojekt Bodenbündnis: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | In Arbeitsgruppen wurde eine Situationsanalyse über vorhandene Retentionsflächen durchgeführt und darauf aufbauend potentielle Retentionsflächen ermittelt, die sich aufgrund ihrer Lage und Morphologie für eine Verbesserung des Hochwasserschutzes besonders eignen. | ||
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| + | *Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung (zielgruppenspezifische Informationsangebote, Bevölkerungsbeteiligung bei Detailprojekten, Konfliktbearbeitung, etc.) | ||
| + | *Schutzwasserbau (Vorlandabsenkung zur Verbesserung der Retentionswirkung, Flussbettaufweitungen als ökologische Maßnahme, Gewässerbetreuungskonzept) | ||
| + | *Erholungsplanung (Sicherung und Ausbau von Grünzügen am Fluss in Verbindung mit Rad- und Wanderwegen) | ||
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| + | •Projekt „Au-Freikaufaktion“: Geplant ist schrittweise die Au anzukaufen, um einen natürlichen Retentionsraum zwischen Mühlbach und Pielach zu schaffen sowie standortgerechte Aufforstungen zu realisieren. | ||
| + | Gemeinde Kirchberg/P.: | ||
| + | •Hochwasserschutzprojekt: Ziel war die Ausweitung der Pielach und die Schaffung von teilweise neuen Retentionsflächen sowie die Sicherung großräumiger Siedlungsgebiete und die Gestaltung des Flussbettes. | ||
| + | Gemeinde Loich: | ||
| + | •Rückbau nicht genehmigter Aufschüttungen: Im Hochwasserbereich wurden illegale Aufschüttungen beseitigt und dadurch der Naturzustand wieder hergestellt. | ||
| + | Gemeinde Rabenstein | ||
| + | •Projekt „Dem Fluss Raum geben“: Durch starke Bewusstseinsbildung konnten über das Projekt bereits tatsächlich Vorlandabsenkungen zum Hochwasserschutz durchgeführt werden. | ||
==Waldentwicklung im Pielachtal== | ==Waldentwicklung im Pielachtal== | ||
Version vom 9. Januar 2012, 13:44 Uhr
- Projektträger: Regionalplanungsgemeinschaft Pielachtal Vereinsbeschreibung im DirndlWiki
- Umsetzung: DI Brigitte Hozang, planact, Technisches Büro für Landschaftsplanung
- Projektzeitraum: 2004/2005
- Finanzierung: Gemeinden des Pielachtales und Förderung des NÖ Landschaftsfonds
- Projektgebiet: Gemeindegebiet von acht Gemeinden (Ober-Grafendorf, Weinburg, Hofstetten-Grünau, Rabenstein, Kirchberg, Loich, Schwarzenbach und Frankenfels)
Die im Projekt behandelten Themen waren
- Bodenschutz durch Wasserrückhalt - Vorsorgender Hochwasserschutz
- Nachhaltige Kulturlandschaftserhaltung und Waldentwicklung
Vorsorgender Hochwasserschutz
Ein wesentlicher Teilaspekt des Bodenschutzes ist ein nachhaltiger Wasserhaushalt. Durch die teilweise Regulierung der Flüsse und Bäche, die Siedlungsentwicklung, das Verfüllen von Mulden und Wiesendrainagierungen wurden natürliche Retentionsräume reduziert und gleichzeitig die Abflussgeschwindigkeit der Hochwasserwelle vergrößert, sodass heute bei gleichen meteorologischen Bedingungen eine größere Hochwasserspitze gegeben ist, die sich vor allem auf die flussabwärts gelegenen Gemeinden auswirkt. In Arbeitsgruppen wurde eine Situationsanalyse über vorhandene Retentionsflächen durchgeführt und darauf aufbauend potentielle Retentionsflächen ermittelt, die sich aufgrund ihrer Lage und Morphologie für eine Verbesserung des Hochwasserschutzes besonders eignen. Handlungsempfehlungen für den Wasserrückhalt:
- Übernahme der HW-Abflussbereiche (HQ 30 und HQ 100) in die örtlichen Entwicklungsprogramme sowie die Flächenwidmungs- und Bebauungspläne (Ausweisung wasserwirtschaftlicher Vorrangflächen)
- Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung (zielgruppenspezifische Informationsangebote, Bevölkerungsbeteiligung bei Detailprojekten, Konfliktbearbeitung, etc.)
- Schutzwasserbau (Vorlandabsenkung zur Verbesserung der Retentionswirkung, Flussbettaufweitungen als ökologische Maßnahme, Gewässerbetreuungskonzept)
- Erholungsplanung (Sicherung und Ausbau von Grünzügen am Fluss in Verbindung mit Rad- und Wanderwegen)
Bereits durchgeführte Projekte durchgeführt bzw. gerade in Umsetzung:
Gemeinde Ober-Grafendorf: •Projekt „Au-Freikaufaktion“: Geplant ist schrittweise die Au anzukaufen, um einen natürlichen Retentionsraum zwischen Mühlbach und Pielach zu schaffen sowie standortgerechte Aufforstungen zu realisieren. Gemeinde Kirchberg/P.: •Hochwasserschutzprojekt: Ziel war die Ausweitung der Pielach und die Schaffung von teilweise neuen Retentionsflächen sowie die Sicherung großräumiger Siedlungsgebiete und die Gestaltung des Flussbettes. Gemeinde Loich: •Rückbau nicht genehmigter Aufschüttungen: Im Hochwasserbereich wurden illegale Aufschüttungen beseitigt und dadurch der Naturzustand wieder hergestellt. Gemeinde Rabenstein •Projekt „Dem Fluss Raum geben“: Durch starke Bewusstseinsbildung konnten über das Projekt bereits tatsächlich Vorlandabsenkungen zum Hochwasserschutz durchgeführt werden.
Waldentwicklung im Pielachtal
Die einmalige Kulturlandschaft des Pielachtales unterliegt seit 4 Jahrzehnten gravierenden Veränderungen durch fortschreitende Mechanisierung, Brachfallen der sog. „Handarbeitszone“ (steile Hanglagen), Auflassungen von Gehöften durch ungeklärte Hofnachfolge, Extensivierung durch Nebenerwerb sowie Konzentrationsprozessen in der Landwirtschaft. Damit einher geht das Problem der zunehmenden Verwaldung, die im Pielachtal mit einem Durchschnitt von 54% über dem österreichischen liegt und sich vor allem in den südlichen Gemeinden gravierend auswirkt. Frankenfels hat einen Waldanteil von 57,5%, Loich von 65% und Schwarzenbach/P. sogar einen Waldanteil von 82%. Landwirtschaftlich bedeutet das den Verlust an Produktionsflächen, landschaftsökologisch den Verlust Jahrhunderte alter Kulturlandschaft und der damit verbundenen vielfältigen Landschaftsräume, die im Hinblick auf Biodiversität und Tourismus zentral sind. Empfohlene Maßnahmen zur Erhaltung der offenen Kulturlandschaft:
- Erstellung eines Landschaftsrahmenplanes Pielachtal auf Grundlage der Bodenbündnispläne zur Waldentwicklung (Ausweisung ökologischer Vorrangflächen zur Sicherung der Produktionsgrundlage der Landwirtschaft, der Artenvielfalt und der Erholungsfunktion).
- Unterstützung der jungen Kräfte in der Landwirtschaft – faire Preise für Qualitätsprodukte.
- Qualitätsvoller, integrativer Tourismus (Natur und Erlebnis- sowie ökopädagogische Angebote, Erhaltung und Aufbereitung des attraktiven Wanderwegnetzes).
- Bewusstseinsbildung/Beratung (Informationen über bäuerliche Dienstleistungen betreffend Landschaftspflege, Beratungsschwerpunkt „Nachhaltige Waldpflege“, Bildungsangebote).
Bereits umgesetzte Initiativen:
- Kleinregionalen Rahmenkonzept Pielachtal
- Errichtung von Biomasse-Fernwärmeanlagen (z.B. in Frankenfels, Kirchberg, Hofstetten-Grünau)
- Förderung der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte (Edelbrand- und Dörrobstgemeinschaft)
- dw:Marke Dirndltal - Erhaltung der Dirndlstauden als landschaftsprägende Elemente