Strategien zur Regionsstärkung

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Grundvoraussetzung

Die ansässigen Menschen müssen von den für richtig erkannten Strategien so überzeugt sein, dass sie diese gegen alle Unkenrufe und Widerstände durch tragen.

Dazu bedarf es einer gemeinsamen „geistigen Landkarte“. Im Fall Güssing als Modellregion hat die Studie < Technische, betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Hinterfragung der Vision einer kreislauforientierten Bedarfsdeckung für die Region Güssing > diese umfassend geliefert. Die Erkenntnis, dass eine zukunftsfähige Bewirtschaftung der lokalen und globalen Ressourcen der direkten und indirekten solaren Orientierung der Energiesysteme, der kreislauforientierten Materialnutzung, der kaskadischen Nutzung von Energie und Material, der biologischen Vielfalt und für die vorstehenden vier Anforderungen vor allem der intelligenten Dezentralisierung und Vernetzung bedarf, führt konsequenterweise zur Regionalisierung der Bedarfsdeckungssysteme.

Dies haben die Leitpersonen und die Bevölkerung von Güssing erkannt. Die kluge Nutzung der weitgehenden Freiheit von großen vested interests, die Einbettung in die regionalen Entwicklungsprogramme, die Möglichkeit die Ziel-1-Gebietsförderungen der EU in Anspruch zu nehmen, die Kooperation mit den lokalen Netzbetreibern und der Mut in unkonventionelle wissenschaftlich unterstützte Projekte einzusteigen, haben das <Wunder Güssing> bewirkt. Ähnliches könnte vom N. Ö. Waldviertel, der o. ö. Region Kremstal, dem Großen Walsertal oder dem Steirischen Vulkanland berichtet werden.

Zu obigen Erwägungen kommt in jüngster Zeit noch die Erkenntnis, dass a) die vorherrschend genutzten Ressourcen nicht nur eine hohe Schadschöpfung aufweisen, wie die jüngste Off-Shore-Katastrophe drastisch vor Augen führt, sondern endlich sind; b) der Ausverkauf unserer Wirtschaft an die Eigner fossiler Energieträger längerfristig unsere Freiheit und unsere Sozialsysteme bedroht; c) die Verletzlichkeit der gegenwärtigen Versorgungssysteme durch Naturereignisse, technische Gebrechen, menschliches Versagen, Terrorismus und Krieg (asymmetrische Kriegsführung) bislang schlicht ausgeblendet wurde;

d) dass wir in Kenntnis der Notwendigkeit die Systemprinzipien die Biosphäre und die vorstehenden Risiken zu beachten bereits gegenüber unseren Mitmenschen mit dolus eventualis handeln (dolus eventualis bedeutet, dass jemand, der in seinem Handeln ein mögliches (wahrscheinliches) schädigendes Folgeereignis bewusst in Kauf nimmt, dann, wenn das Ereignis stattfindet, als mit böser Absicht (dolus) handelnd zu beurteilen ist – Fahrlässigkeit wird aufgrund der Erkenntnislage nicht zugestanden).

Die sich anbietenden Strategien müssen raum- und menschenbezogen sein. Der Neurologe J. C. Eccles (Nobelpreisträger)und der Biologe H. Zeier haben dies in die Forderung gekleidet, dass für das Wesen und die glückhafte Zukunft des Menschen überschaubare, einsehbare Rollen ermöglichende und mit der Land- und Forstwirtschaft intelligent wiederverknüpfte Gesellschaften anzustreben sind. Dieser Maxime entsprechen die genannten Projekte und insbesondere unser Modellprojekt. Um zukunftsfähig zu sein, müssen die Strategien in ihrer Vielfalt ökotopgerecht sein. Deshalb wird jede erfolgreiche Strategie spezifisch anders sein müssen, um die standörtlichen Ressourcen optimal und nachhaltig zu nutzen.

Die standörtlich angepassten Strategien bedürfen in Zukunft aber auch einer systematischen administrativen Flankierung. Neben der traditionellen vor allem die Siedlungsstruktur und den Verkehr betreffenden Raumplanung, wird die Ernährungs-, Energie- und Rohstoffraumplanung den zentralen Platz einzunehmen haben. Hier bedarf es einer örtlichen und überörtlichen ‚Raumplanung mit Zähnen‘; d. h. im öffentlichen Interesse muss auch mit behördlicher Zwangsgewalt eingeschritten werden können. Im Forstbereich haben wir diese behördliche Ermächtigung seit mehr als 100 Jahren. Seit den gewaltigen Flutkatastrophen im vorvorigen Jahrhundert wurden die Regulierung der Forstbewirtschaftung, die Wildbach- und Lawinenverbauung sowie die Gefahrenzonenplanung ausgebaut. Auf jeder Bezirkshauptmannschaft kontrolliert und genehmigt ein Stab von Fachleuten die Maßnahmen in diesen Bereichen. Niemand würde auf die Idee kommen, zu fordern, dass man dies alles doch den intelligenten Marktkräften überlassen solle.

In den Schlüsselbereichen Ernährung und Energie ist dies eigenartigerweise plötzlich ganz anders. Hier wird beharrlich argumentiert, dass die Marktkräfte quasi automatisch das Optimum für das Gemeinwohl bewirken … Mangels Umdenken werden wir von der auf mangelnde Regulierung zurückgehenden Finanzkrise aus analogen Gründen über die Energiekrise in die Ernährungskrise stolpern. Diese Tagung trägt dazu bei die notwendige Kurskorrektur zu beschleunigen, weil sie die lokalen Optionen im Bioenergiebereich aufzeigt und untermauert.

Das Wissen für die Kurskorrektur ist eine Holschuld, wobei wir nicht alles selbst erfinden müssen. Vieles müssen wir nur abholen und adaptieren. Hierbei können wir beim Athenischen Staatsmann Perikles Anleihe nehmen. In seiner Grabrede für die Gefallenen des ersten Peloponesischen Krieges meinte er: „Zugegeben, nur wenige sind fähig eine politische Konzeption zu entwerfen und durchzuführen, aber wir sind alle fähig sie zu beurteilen.“ Dieses Urteil ermöglicht es uns, in einer demokratischen Gesellschaft mit der nötigen Beharrlichkeit die Umsetzung zukunftsfähiger Konzeptionen zu erreichen.

Hierzu sind wir alle aufgerufen.