Vielfalt
- Kulturelle Vielfalt
- Biologische Vielfalt
Vielfalt säen & Vielfalt kultivieren
Aus der Wiener Deklaration - Terra Madre 2009
Saat- und Pflanzgut, sowie die Rassen unserer Nutztiere sind Geschenke der Natur und Ergebnis der kontinuierlichen Züchtungsarbeit vergangener Generationen. Sie repräsentieren die bio-kulturelle Vielfalt dieser Welt. Der freie Austausch von Saat- und Pflanzgut sowie von Nutztieren unter Bauern war die Grundlage für die Erhaltung dieser Vielfalt und für die Ernährungssicherheit. Diese Vielfalt ist heute in großer Gefahr. Die industrielle Landwirtschaft hat zu massiven Verlusten der Kulturpflanzenvielfalt und der Hautierrassen (genetischer Erosion) geführt: Traditionelle (in ihren Herkunftsregionen höchst erfolgreiche) Landsorten werden durch moderne Hochleistungssorten bzw. traditionelle Haustierrassen durch Hochleistungsrassen verdrängt.
Wir haben die Verantwortung, die Vielfalt an Saatgut|Saat- und Pflanzgut sowie die der Haustierrassen zu schützen und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Saat- und Pflanzgut stehen am Beginn der Nahrungskette und sind nicht nur der aktuelle Ausdruck der biologischen und kulturellen Vielfalt, sondern auch Ausgangspunkt künftiger Entwicklungen. Die Vermehrung der biologischen und der kulturellen Vielfalt ist zudem auch überlebenswichtige Anpassungsstrategie bei der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel.
Das Gleichgewicht der Umwelt ist durch Eigentumsrechte und neue Technologien bedroht. Saat- und Pflanzgut sowie die Haustierrassen drohen von einem Gemeinschaftsgut der Bauern in einen Rohstoff verwandelt zu werden, dessen Nutzen und Handel von einigen wenigen Konzernen monopolisiert wird. Züchtung verlagert sich mehr und mehr vom Feld ins Labor und an den Bildschirm. Saat- und Pflanzgut sowie das genetische Material der Haustierrassen sind aber eine gemeinschaftliche Ressource, die zum Wohle aller lebenden und künftigen Generationen zu teilen und zu bewahren sind. Sie dürfen weder in privaten Besitz übergehen noch patentiert werden, wie es in den industrialisierten Ländern bedauerlicher Weise Praxis ist.
Um die Emissionen von Treibhausgasen, die zu weltweitem Klima-Chaos führen, zu verringern, sollte das Saat- und Pflanzgut der Zukunft nicht mehr mit Hilfe synthetischer externer Betriebsmittel (z. B.: chemisch-synthetischen Dünger, Pestizide) hergestellt werden und der Energieaufwand aus nachhaltigen Formen der Energiegewinnung bereitgestellt werden. Die Haltung der Haustiere muss artgerecht und biologisch erfolgen und darf nicht auf importiertem Gen-Futter aus der Dritten Welt aufbauen. Das Ziel sollte eine treibhausgasneutrale biologische Landwirtschaft sein, die ausschließlich erneuerbare Energien und Ressourcen nutzt. Biologische Landwirtschaft steuert zu einer Verlangsamung des Klimawandels bei und erhöht die Anpassungsfähigkeit unserer Gesellschaft an die Umwelt.